Katechetisches Institut Aachen
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Rainer Oberthür: Die Seele ist eine Sonne . Was Kinder über Gott und die Welt wissen

 

 
 
 
Oberthür: Die Seele ist eine Sonne
 
 
 

Kösel-Verlag 2000

  • "Die Seele ist eine Sonne" unterscheidet sich von den beiden ersten Büchern dadurch, dass es Kindertexte aus unserem Unterricht in den Mittelpunkt stellt, auf jede Darstellung der religionspädagogischen Konzeption verzichtet und nur jeweils kurz erläutert, wie die Texte und Bilder der Kinder enstanden sind sowie sie kurz in einen religionspädagogischen und theologischen Rahmen einordnet.
  • So ist ein Buch entstanden mit faszinierenden Gedanken und Bildern von Kindern für jeden Erwachsenen, der sich von Kindern etwas sagen lässt.
  • Gelesen werden kann das Buch
    • als Schule des Staunens über die Kinder,
    • als Hilfe und Ermutigung, mit Kindern über ihre (religiöse) Fragen zu sprechen,
    • als Hinführung zu grundlegenden religiösen und biblischen Fragen.

Eine gemeinsame Rezension der drei Bücher "Kinder und die großen Fragen" (1995), "Kinder fragen nach Leid und Gott" (1998) und "Die Seele ist eine Sonne" (2000) finden Sie hier.

Rezensionen

Franz W. Niehl in: Katechetische Blätter 3/2001:

Alle Leute jammern: Die heutigen Kinder haben keinen Sinn mehr für Religion! Pokémon und RTL haben sie verdorben für immer. Alle jammern? - Nein, einer nicht: Rainer Oberthür. Er überrascht die Leserinnen und Leser mit einem erstaunlichen Buch. Jungen und Mädchen im Grundschulalter sind dessen eigentliche Autoren. Dieses Buch versammelt zahlreiche Zeugnisse tiefer Religiosität von Kindern, ja Ansätze von mystischem Erleben und Denken. Genauer: in 22 kleinen Kapiteln dokumentiert der Verfasser Texte und Bilder von Kindern zu unterschiedlichen Lebensfragen (Stille, Seele, Schöpfung, Zeit und Vergänglichkeit, Tod, Leiden, Krieg). Im Zentrum, das diese Themen umkreist, steht aber die Suche nach Gott. Die Abschnitte sind analog aufgebaut: Kinder reagieren schöpferisch auf eine Frage, auf einen Text oder auf ein Bild, danach erläutert der Autor sein methodisches Vorgehen ... und schließt eine didaktische Reflexion an ... .

Wer dieses Buch liest, gerät ins Staunen: Das sollen Kinder gesagt, geschrieben und gemalt haben? Was zunächst unglaublich erscheint, leuchtet zunehmend ein. Den Rainer Oberthür demonstriert unaufdringlich eine pädagogische Haltung: das Vertrauen in die Kinder, in ihre Reife, in ihr Verlangen, sich uns ihre Welt zu verstehen. Und an den Herausforderungen, die ihr Lehrer ihnen stellt, wachsen sie. Mit seinem Unterricht erweitert Rainer Oberthür die Selbstwahrnehmung der Kinder, ihr Weltverständnis und ihre Ausdrucksfähigkeit. (Die Frage, was kindgemäß sei, verliert dabei an Gewicht. Der Verfasser konfrontiert die Kinder beispielsweise mit Texten von Erich Fried, Angelus Silesius, Pablo Neruda; er zeigt ihnen Bilder von Odilon, Redon und Jean Cocteau. Und im Blick auf diese Modelle wächst den Kindern der Mut zu eigenen Versuchen. Geradezu bewundernswert ist es, wie sie unter der geschickten Anleitung zu Dichtern und Künstlern werden. - Aber war nicht auch Jesus ein Dichter?)

Dieses Buch kann man auf mehrere Arten lesen: Zunächst ist es eine Schule der Wahrnehmung; es lädt Kinder ein, aufmerksamer zu sehen. Sodann dokumentiert das Werk, was Religionsunterricht sein sollte: ein Ort der Nachdenklichkeit, an dem Leben und Glauben sich gegenseitig erhellen. Unangestrengt zeigt Rainer Oberthür, was einen korrelativen Religionsunterricht auszeichnet: Er stößt jene immer neu einsetzende Pendelbewegung an, in der Glaubensüberlieferung und Lebensgeschichte einander begegnen und interpretieren. Von ähnlichem Wert sind die methodischen Arrangements, die vorzüglich zu den Zielen und Inhalten dieses Unterrichts passen - eine wahre Fundgrube! Nicht zuletzt bietet der Verfasser eine religiöse Sprachlehre und eine Gotteslehre für Kinder. - Und schließlich hat der Verlag dafür gesorgt, dass diese vielen Ideen und Dokumente in einem schönen Buch präsentiert werden. den Titel verdanken die Leserinnen und Leser übrigens auch einem Kind. Es schrieb: „Die Seele ist eine Sonne im Menschen.“

Dietlind Fischer in: RU – Ökumenische Zeitschrift für den Religionsunterricht, Heft 3/2000

Das Kinderfoto auf dem Buchumschlag ist verführerisch. Ein pausbäckiges Mädchen schaut vergnügt und herausfordernd schräg ins Bild; im Gegenlicht umspielen die blonden Locken das Gesicht wie ein Strahlenkranz: ein bildhaftes Sonnenkind. Man vermutet ein Buch über die Kinderseele. Erst auf den zweiten Blick überrascht, dass es sich um Texte und einige Bilder von sieben- bis elfjährigen Kindern aus dem Religionsunterricht handelt, in denen sie ihre Sichtweise von Gott und religiöse Grundfragen zum Ausdruck bringen und damit auch Einblick in die Tiefe ihrer Seele geben. Ein anrührendes Buch

Rainer Oberthür hat mit seinen Büchern »Kinder und die großen Fragen« (1995). und »Kinder fragen nach Leid und Gott« (1998) schon mehrfach gezeigt, zu welchen Ergebnissen ein Religionsunterricht in der Grundschule führen kann, bei dem ein behutsames Anregen und ein pädagogischer Umgang mit philosophischen und theologischen Fragen der Kinder im Mittelpunkt steht. Man staunte über die Tiefgründigkeit der kindlichen Gedankengänge und über den ertragreichen Zugang zu Metaphern und Symbolen, der nach entwicklungspsychologischen Stufentheorien noch gar nicht zu erwarten ist Manchmal wurden Zweifel an der Authentizität oder am Geltungsanspruch der Kindertexte geäußert: reden so nur Schüler einer katholischen Grundschule in Aachen, die in einem relativ geschlossenen katholischen Milieu aufwachsen und von zu Hause her religiöse Sprache gewohnt sind?

Mit diesem neuen Buch wird deutlich, dass ein konsequentes Konzept des »Perspektivenwechsels« mit vielfältigen, anspruchsvollen und anregungsreichen Impulsen Kinder in einer Weise zu Wort kommen lässt, die Erwachsene ins Staunen versetzt In einer Haltung der Achtsamkeit wird Religion von den Kindern her wahrgenommen, gedeutet und stimuliert. Im Mittelpunkt stehen Texte, die Kinder im Religionsunterricht geschrieben haben zu Themen wie Stille, Zeit, Gottesbild, Anfang, Seele, prophetische Rede, Segen, Leid, Trost, Sehnsucht, Wunder, Licht. Ergänzend beschreibt der Autor, mit welchen pädagogischen Mitteln er zu den Gedankenexperimenten und zur Textproduktion angeregt hat. Kurze Kommentare zu den Kindertexten und zu ihrer Entstehung geben zusätzliche Verstehensmöglichkeiten: ob ein Gedicht von Erich Fried, Sätze aus dem »Cherubinischen Wandersmann« von Angelus Silesius, ein Bild von Jean Cocteau oder Fragen von Pablo Neruda die Kinder angeregt hat zu eigenen Konstruktionen von Sprachbildern, Metaphern, liturgischen und poetischen Sprachformen, das wird konkret nachvollziehbar als ein Lernen am Modell. Die Kinder nutzen diese Modelle zur Produktion eigener Einsichten und Entdeckungen. Weiterführende Überlegungen zum Umgang mit religiösen Fragen der Kinder reichem den Band an und machen ihn insgesamt zu einer Fundgrube für tiefgründige Nachdenklichkeit von Kindern und zu einer anregungsreichen Arbeits- und Verstehenshilfe für Religionspädagoglnnen, ErzieherInnen,. Eltern und allen, die mit Kindern zu tun haben. Die liebevolle Gestaltung des Bandes durch den Verlag macht Lust auf mehr: vielleicht wird in einem nächsten Band die religiöse Lerngeschichte einzelner Kinder dokumentiert und daran gezeigt, wie sich religiöse Bildung individuell weiterentwickelt.

"Die Seele ist eine Sonne" wurde ausgewählt zum religiösen Buch des Monats April 2000

Kinder sind Philosophen. Darüber ist in den vergangenen Jahren viel geschrieben worden. Dass sie (auf ihre eigene, ganz authentische Art) auch Theologen sind, macht dieses Buch in überzeugender und für viele wohl überraschender Weise deutlich. Mit großer Sensibilität ist es dem Aachener Religionspädagogen Rainer Oberthür gelungen, Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren zu Äußerungen ihrer Fragen und Erfahrungen, ihrer Welt Ansichten und Lebens Einsichten zu motivieren. Sie sind in diesem Buch, sorgfältig nach 22 thematischen Aspekten, gesammelt - es ist also wesentlich auch ein Buch von Kindern! - und der Autor schildert ihre Entstehungsgeschichten, wobei neben dem Gespräch kurze literarische Texte und Bilder der Kunst als Impulse eine wichtige Rolle spielen, interpretiert behutsam und steuert wertvolle Anregungen für das Gespräch mit Kindern bei. Was vor allem überrascht ist die unbekümmerte Originalität die dichte Bildhaftigkeit, die poetische Sprachkraft der kindlichen Äußerungen über Gott und die Seele, den Glauben und ihre Sehnsüchte, Freude und Trauer, die Schöpfung und das Zusammenleben der Menschen. Von festgefügten Meinungen unbeeinflusst verraten die Texte der Kinder (und auch einige Bilder) eine wesenhaft religiöse Begabung, eine Sinn - Neugierde, eine Bereitschaft zu staunen, aber auch hinter das selbstverständliche zu fragen, die Erwachsenen nur zu oft abhanden gekommen sind. So kann die Lektüre dieses auch typografisch sehr ansprechend gestalteten Buches für jeden Leser eine Schule des Lernens von den Kindern sein, darüber hinaus aber vor allem eine Ermutigung, mit Kindern über ihre Fragen zu sprechen und auf ihre Antworten zu hören: "Gott muss sich in dir bewegen" oder "Wenn man nicht merkt, dass ein Wunder geschieht, kommt es auch nicht mehr zu einem" oder "Wir können ohne Gott nicht leuchten und er nicht ohne uns" - solche Sätze können lange bei einem bleiben.

Borromäus-Verein / St. Michaelsbund

 
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